Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra von Robin Sloan

Wie löst man einen komplexen, hunderte von Jahren alten Code? Mit künstlicher Intelligenz natürlich. Wenn man mich gefragt hätte, aus welchem Jahr das Buch stammt, hätte ich zwischen 2022 und 2025 getippt. Jetzt realisiere ich gerade, dass das Ganze aus dem Jahr 2012 stammt. Wow! Bin begeistert, wie gut ein schlauer Kopf die gesellschaftlichen Entwicklungen schon vor 14 Jahren antizipieren konnte. Entweder das oder ich hab einfach einen beschränkten Horizont. Im Zweifel für den Autor, dann komm ich nicht ganz so schlecht weg. Ich muss erst einmal verdauen, dass 2012 mittlerweile schon als „damals“ gilt. Die Zeit vergeht…

Nach Frau Komachi empfiehlt ein Buch war dies das zweite Werk zur Überbrückung, bis es mit den Inheritance Games weitergehen konnte. Auch hier ist mir das Cover beim Stöbern ins Auge gestochen. Dazu mag ich das Setting mit mysteriösen Buchhandlungen. Von einer Art Sekte war auch noch die Rede – ebenfalls ein gern gesehenes Element. Und ganz ehrlich: Der Name Penumbra klingt einfach cool. Hm. Wirklich geistreich klingt das nicht. Vielleicht ist an der „beschränkter-Horizont“-Theorie doch was dran.

Wenn du das Buch noch nicht gelesen hast, spring direkt zum Fazit. Ansonsten geht es jetzt ans Eingemachte!

Clay wird auf der Suche nach einem Job in einer 24/7-Buchhandlung fündig. Wirklich viel Action gibt es nicht, nur ein paar komische Gestalten. Er merkt, dass da was im Busch ist und wird neugierig. Mithilfe seiner neuen Freundin Cat und ihrem Zugriff auf die Rechenzentren von Google lüften sie recht schnell und technologiebasiert einige Geheimnisse. Mr. Penumbra findet’s super, der Rest der Sekte („der ungebrochene Buchrücken“) nicht ganz so sehr. Auch am finalen Rätsel/Code probieren sie sich und digitalisieren einige Unterlagen dafür – natürlich entgegen dem Gusto der Sekte. Hier wird Konservatismus in Reinform gelebt. Klappt dann aber auch mit KI nicht so ganz. Die Lösung verbirgt sich letztendlich in der Lieblingsbuchreihe von Clay. Der Autor nämlich war ebenfall Sektenmitglied. Unsterblichkeit gibt’s keine, sondern nur ein Hoch auf die Freundschaft.



  • Clay ein wenig notgeil: Grade noch so im Rahmen, daher kein klarer Kritikpunkt. Er ist halt ein arbeitsloser Nerd und wird so charakterisiert. „Nein, schöne nächtliche Hackerin, ich habe nix dagegen – so wie sich ihr Ellenbogen in meine Rippen bohrt fühle ich mich wie betrunken.“


Bewertung: 3.5 von 5.

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra greift die neuzeitlichen Entwicklungen wie Selbstoptimierung, Big Data, Digitalisierung, Document Understanding und Machine Learning auf und setzt sie in den Kontrast zur „analogen Welt“. Auch, wenn das Werk mittlerweile 14 Jahre alt ist, passt das Setting aus meiner Sicht sehr gut in die aktuelle Zeit. Viele damalige Thesen sind sehr gut gealtert und zeichnen mittlerweile ein realistisches Bild der Gegenwart. Wer sich damit gerne beschäftigt, kommt sicher auf seine Kosten. Vielleicht verkläre ich die Vergangenheit auch ein wenig und die Entwicklungen waren damals schon absehbar. Kann gut sein: Zu der Zeit war ich schon damit überfordert meine Tiefkühlpizza nicht anbrennen zu lassen – wie sollte ich mir da Gedanken über die gesellschaftlichen Megatrends und deren Auswirkungen machen. Sei es drum. Mit „Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra“ gibt es auch noch ein Prequel. Ob ich den Nachfolger zeitnah aufgreifen will? Ich glaube eher nicht. Die Geschichte selbst war zwar zu weiten Teilen kurzweilig, hat bei mir aber leider auch nicht viel ausgelöst. Zurück bleibt lediglich die Grundsatzfrage: Lieber der Geruch von Büchern oder doch eher E-Reader?

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