Kennt ihr das Spiel Blue Prince? Falls nicht: Ein nichtsahnender Erbe rätselt sich durch die Irrungen und Wirrungen seines vermachten Anwesens und lernt damit immer mehr über die Geheimnisse seiner Vorfahren. Wer sich schon immer mal eine Buchversion davon gewünscht hat: Hier bist du richtig. Alle anderen Fans von Rätsel und Mystery kommen hier aber auch auf ihre Kosten.

Auf einen Blick

Genre:

Seitenzahl: 400

Verlag: cbt

Jahr: 2022

Tropes/Themen:

Wie bin ich bei diesem Buch gelandet?
Als begeisterter Leser der Cold Case Academy (hier geht’s zur Rezension der Reihe) wollte ich nochmal in eine andere Welt von Jennifer Lynn Barnes eintauchen. Nachdem The Inheritance Games die bekannteste Reihe von ihr ist, dachte ich, da kann man nichts falsch machen. Bisschen nostalgisch: Die Cold Case Academy-Reihe hatte damals zu meinem ersten Blogeintrag inspiriert.
Achtung, ab hier wird gespoilert!
Wenn du das Buch noch nicht gelesen hast, spring direkt zum Fazit. Ansonsten geht es jetzt ans Eingemachte!

Worum geht’s?
Avery ist arm und spielt Schach mit Pennern im Park. Sie lebt bei ihrer Stiefschwester, Mutter ist leider nicht mehr da. Dann wird sie plötzlich zur reichsten Erbin von Texas, weiß aber gar nicht warum. Das Testament gibt dazu ein paar Regeln vor und so lebt sie nun mit vier enterbten Brüdern und noch viel mehr Familie in der Villa. Es folgen viele Rätsel vom verstorbenen Opa, Mordanschläge von Neidern und die Aufklärung eines etwas zurückliegenden Todesfalles im Dunstkreis der Familie. Dann haben sich alle lieb. Aber das Rätsel hat gerade erst begonnen und der Penner aus dem Park ist plötzlich wichtig.

Was bleibt in Erinnerung
- Ein realistisches Berühmtheitsgefühl: Die Szenerie hat sich wirklich echt und nachvollziehbar angefühlt. Und das sage ich als absoluter Durchschnittsbürger mit keinerlei Einblick in die High Society. Besonders vom Pressetraining war ich angetan.
- Ein Anwesen voller Mysterien: Ungelogen – ich träume Nachts öfter davon, in meinem Haus neue und unergründete Räume zu ergründen. War sehr neidisch auf Libby, die den ganzen Tag damit verbringen konnte, das zu ergründen.
- Der Flirt des Tages: „Ganz ruhig – sie beißt nicht – aber jetzt, wo das mit der Verwandschaft ausgeräumt ist, wäre ich froh wenn sie es täte.“
- Die Verspieltheit des Opas: Ich muss einfach mal wieder betonen, wie gerne ich Rästel mag. Hier ist das quasi die Prämisse des Buchs. Umso besser für mich. Auch, wenn das ein oder andere Rästel nicht unbedingt zum mitknobeln ausgelegt ist, fand ich die Auflösungen sehr befriedigend. Hatte sogar mal Gänsehaut am Ende.
- Die latente Gefahr am Ende: Als Rebecca unerwartet im Gang aufgetaucht ist, dachte ich schon, da gehts gleich richtig ab. Spannend, dass dann aber nichts wirklich passiert ist. Oder ging das nur mir so?!
- Die Standpauke von Max: Bei allem Ruhm und Reichtum – Avery hatte sich wirklich kaum noch um ihre Freundin gekümmert. Selbst der Obdachlose von der Straße hat mehr Zuneigung abbekommen. Fand ich sehr gelungen. Auch, wenn ich ihre Ersatz-Schimpfwörter immer recht doof fand. Vielleicht sind sie ja im englischen besser.
- Vier Brüder auseinanderhalten: Ziemlich schwierig, wenn man nur drei Gehirnzellen hat. Bis auf Nash, der sich sehr erwachsen gegenüber den anderen darstellt, ist mir die Unterscheidung lange schwergefallen. Natürlich hat jeder seine eigenen Charakterzüge. Lag eher an meiner eigenen Kapazität
- Nan: Ich mochte das Zitat „furchtbarer Mann… Zärtlichkeit schwang in ihrer Stimme“. Sonst kann ich mit dem komischen Ömchen aber noch nicht ganz so viel anfangen.
- Libby und Drake: Die toxische Dynamik zwischen den beiden war gut beschrieben und für die Geschichte gut passend. Drake hat aber schon arg freigedreht. Bei allem „ich muss es allen recht machen“ von Libby – so einen Tick früher hätte das Loslösen von dem Kerl schon stattfinden können. Vor allem, weil mit Nash doch schon der passende emotionale Ersatz bereit steht
- Avery ist ein bisschen horny: Vielleicht etwas hart formuliert. Aber sie hat schon quasi mit 50% der Brüder angebandelt. Ging mir hier fast ein wenig zu schnell und zu plötzlich. Hätte ich bis jetzt gar nicht gebraucht. Mal schauen, ob wir die 100% noch schaffen.
- Oren: Eigentlich bin ich ja ein Fan von den schweigsamen und loyalen Charakteren. Vielleicht bin ich hier gerade deswegen auch etwas kritischer. Ich hab nur das Gefühl, er versagt als Security schon ziemlich. Aber gut, sonst wäre die Story vermutlich nicht spannend.
- Thea: Die Bitch der Schule. Fand sie in ihrem Handeln etwas nervig und drüber. Beispielsweise ihre Intrige mit dem Frisurstyling hätte es für mich nicht unbedingt gebraucht.
Mein Fazit
Wer Cold Case Academy mochte, wird sich hier auch sehr wohl fühlen. Und genauso umgekehrt. Einzige Gefahr: Es könnte sich zu ähnlich anfühlen. Beide Male wird die Protagonistin in eine ganz neue Umwelt hineingezogen, steht ohne Mutter da, hat mir ihr in der Kindheit seltsam anmutende Spiele gespielt (hoffe das klingt nicht falsch) und ist mit überdurchschnittlicher Intelligenz gesegnet. Dazu noch ein – sagen wir mal – durchschnittlich erfolgreicher Personenschutz. Bin selbst gespannt, ob in den kommenden Tielen noch weitere Parallelen herauskristalisieren. Unabhängig davon: Kann das Buch nur empfehlen.

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