Schachmatt! Das Spiel ist beendet! Das Erbe ist (quasi) verteilt, Opa Hawthorne’s Rätseleien haben nun auch ein Ende und Amor hat sich nun auch final festgelegt. Hurra! Da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Gut, dass ich ohnehin nicht groß nach irgendeiner Reihenfolge vorgehe. Damit endet die Haupt-Trilogie von The Inheritance Games. Sind wir mit der Reihe noch fertig? Noch lange nicht.
Welche Teile – Stand heute – noch kommen?
- „The Brothers Hawthorne“ erzählt zwei weitere Geschichten aus Sicht von Jameson und Grayson
- „Games Untold“ enthält weitere Kurzgeschichten
- „The Grandest Game“ startet noch eine Spin-Off Trilogie
- „The Same Backward as Forward“ greift die Geschichte von Toby und Hannah auf
Es gibt also noch eine Menge zu lesen! Und das freut mich sehr. Vermutlich werde ich zwischendurch aber erstmal über ein paar andere Bücher schreiben. Aber nun zurück zum aktuellen Teil.

Auf einen Blick

Genre:

Seitenzahl: 400

Verlag: cbt

Jahr: 2022

Tropes/Themen:

Wie bin ich bei diesem Buch gelandet?
Die Vorgängerteile natürlich! Falls du die Beiträge noch nicht gelesen hast, hier geht es zu The Inheritance Games (Teil 1) und The Inheritance Games – Das Spiel geht weiter (Teil 2).
Achtung, ab hier wird gespoilert!
Wenn du das Buch noch nicht gelesen hast, spring direkt zum Fazit. Ansonsten geht es jetzt ans Eingemachte!

Worum geht’s?
Toby wurde entführt! Eve schlägt doch im Hause Hawthorne auf und verdreht Gray den Kopf. Der Entführer stellt Rätsel und auch das Großväterchen hat noch ein paar hinterlassen. Die gesamte dramatische Vergangenheit wird nun aufgerollt. Der Alte war moralisch auch nicht ganz unbefleckt und löst in einer letzten Audiobotschaft noch die genauen Umstände auf. Unter anderem hat er auch mit dem Entführer, Vincent Blake, eine Vorgeschichte. Eve ist auch böse. Avery wird in die Ecke gedrängt und es kommt zum dramatischen Showdown in der Höhle des Löwen. Besagter Löwe ist sexistisch veranlagt und verliert aufgrund seines Übermutes gegen unsere Lieblingserbin. Die Bedingungen von Testament und Recht greifen, sie hat die komplette Verfügung über das Geld und gibt es dann zu 95% an Stiftungen aus.

Was bleibt in Erinnerung
- Jameson und Avery: Ich war fest davon ausgegangen, dass Averys Herz am Ende doch noch an Grayson gehen würde. Umso mehr freue ich mich, dass es so geblieben ist. Jameson hat es verdient. Und es wurde auch nicht als Schicksal verkauft. Es hätte durchaus mit Grayson auch klappen können. Aber zum passenden Zeitpunkt war er nicht da bzw. bereit. Schön beschrieben fand ich auch wie sich Avery durch die Beziehung selbst auch charakterlich weiter- und mehr zu Jameson hin entwickelt hat („Du hast mich mutig gemacht und mich aus der Komfortzone gebracht, du kannst mich nicht jetzt wieder einpacken“). Hat sich organisch angefühlt.
- Xander: Immer noch mein MVP. Hat viele Szenen mit einem flotten Spruch aufgelockert und für einen Lacher gesorgt. Berechtigterweise Averys BHFF. An seiner Storyline hat mir alles gefallen. Sein Vater war der einzige, der sich tatsächlich so nennen durfte und es war ein rührendes Wiedersehen bzw. Kennenlernen. Dazu ist er einfach ein liebenswerter Knallkopf: „Auf einer Skala von 1-10 wie sehr, erstens: benötigst du eine Ablenkung und zweitens: hängst du an deinen Augenbrauen?“
- Max: Gleich dazu auch noch Xanders perfektes Gegenstück. Auch ihre Verschrobenheit hat gut hineingepasst. Besonders als sie die Bibelreferenz erkennt: „Lukas mein zweitliebstes Evangelium, ich war schon immer eher ein Johannes-Mädchen“
- Oren: Er hat sich im Verlauf tatsächlich noch gemacht. Am Anfang war er mir noch zu schwach als der persönliche Bodyguard. Aber ich hab halt ein Faible für diese Art von loyalen Menschen.
- Nash: Als letzten Charakter möchte ich auch noch den ältesten der Brüder herausheben. Er stellt öfter die Stimme der Vernunft dar. Er wird zahlenmäßig meist von den Brüdern übermannt. Aber die Rolle braucht es aus meiner Sicht auch für den Kontrast. Den Kink mit den Cowboyhüten lass ich mal unkommentiert.
- Thea’s Spruch: Hätte nicht gedacht, dass ich mal was Postives sagen würde, aber die Line hat mir gut gefallen: „Sorry, ich bin nicht der verletzliche Typ – das beißt sich mit meiner bitchy Ästhetik“
- Tobias Hawthorne’s letzte Nachricht: Endlich wurde es aufgelöst und es war so befriedigend! Ich war selbst ganz ehrfürchtig, so wie der alte Herr inszeniert wurde und praktisch alles gelenkt hat (ob das so wirklich realistisch gewesen wäre mal außen vor). So richtig nett war’s insgesamt von ihm aber nicht.
- Das Pacing: Einerseits war der Start richtig schön entspannt. Avery hat in sich geruht und das ein oder andere Rätsel im Haus gesucht. Zu dem Moment dachte ich, dass mir ein „Slice-of-Life“-Verschnitt von der Reihe auch gut gefallen würde. Gleichzeitig kam mit der Entführung auch spürbar mehr Zeitdruck in die Sache als bei den ersten Teilen.
- Eve’s Story: Nach dem letzten Teil war ich noch kritisch, ob es den Plottwist mit ihr auch noch gebraucht hat. Jetzt kann ich sagen: Es war gerechtfertigt. War zwar absehbar, dass sie noch ein doppeltes Spiel spielt. So ist zumindest das „vertraue niemandem“-Gefühl aus Rubinrot ins Hawthrone-House geschwappt.
- Die beiden Höhepunkte: Sowohl der Showdown mit Eve in der Kapelle als auch der mit den Blakes beim Schachspiel waren mitreißend erzählt. Besonders das Finale in der Höhle des Löwen war schön aufgebaut mit Averys Entscheidung zum Angriff überzugehen, der Pressekonferenz vor den Toren und dem Schachspiel. Hatte wirklich Gänsehaut. Weshalb ich den Punkt trotzdem nur als neutral beschreibe: Beide Male fühlte sich die Auflösung sehr abrupt an.
- Grayson der Edgelord: Zwischendrin hatte der Kerl das Drama aber auch schon gebucht. Sich mit aufgeknöpftem Hemd per Violine den Frust von der Seele spielen und diese dann zu schrotten, ist schon ein wenig extra. Ich fand es im Großen und Ganzen schon drüber, aber noch nachvollziehbar. Er hatte als Erbe in Spe auch ein schweres Los und die Tragödie mit Emily war wirklich nicht leicht verdaulich. Hätte er sich zum Schluss nochmal selbst gegen Alyssa eintauschen lassen müssen? Mh.
- Einige Sackgassen: In dem Teil gab es schon einige Theorien, wo sie sich ein wenig verannt haben. Hat den Lesefluss aber keineswegs gestört. Und meistens hat man über die Charaktere so noch ein wenig mehr Hintergrundgeschichte gelernt. Und immer gleich recht haben ist ja auch nicht realistisch.
Mein Fazit
Bisher war ich immer sehr vorsichtig bei Bestbewertungen, aber hier finde ich sie tatsächlich angebracht. Also: Lest es! Die ganze Reihe gefiel mir schon echt gut, aber das Finale hat die Geschichte um Averys Erbe wirklich überragend abgerundet. Kann schon verstehen, warum das ein Bestseller ist. Keine Einwände an der Stelle. Klar kann man auch ein paar kritische Punkte anführen. Wie man am vorangegangenen Bewertungsteil sieht, gibt es für mich aber immer Aspekte, die diese Kritik wieder relativieren. Es gibt Welten, in denen stellt sich bei mir nach einer Zeit eine gewisse Lese-Müdigkeit ein, hier freue ich mich sehr, dass es noch weitere Teile zum Eintauchen gibt.

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