Es geht weiter mit Avery und ihrem „verfuchst“ hohen Erbe! Überzeugt auch der zweite Teil der Bestellerreihe? Ich kann vorweg schicken: Mich schon. Für mich persönlich lag zwischen Teil eins und zwei mehr Zeit, als der Veröffentlichungsrhythmus vermuten lässt (Onleihe lässt grüßen… zu den „Lückenfüllern“ folgen die Beiträge demnächst noch). Trotzdem: Die Reihe hat mich auch nahtlos wieder in ihren Bann gezogen. Bin Fan!

Auf einen Blick

Genre:

Seitenzahl: 384

Verlag: cbt

Jahr: 2022

Tropes/Themen:

Wie bin ich bei diesem Buch gelandet?
Die offenen Fragen aus dem vorherigen Teil, natürlich. Sonst keine weiteren Ergänzungen. Wie immer bei Buchreihen kann ich an der Stelle nur an die Vorgängerteile verweisen: Hier geht’s zur Rezension vom ersten Band. Jetzt aber zur Sache!
Achtung, ab hier wird gespoilert!
Wenn du das Buch noch nicht gelesen hast, spring direkt zum Fazit. Ansonsten geht es jetzt ans Eingemachte!

Worum geht’s?
Wir suchen nun Toby/Harry (Averys leiblichen Vater), aber der will gar nicht gefunden werden. Mist! Außerdem kann der ganze Reichtum mit Averys Ableben immer noch in falsche Hände geraten. Also weiterhin genug Gefahren. Nachdem im ersten Teil die Vergangenheit der Hawthorne Brüder im Fokus war, geht es nun eine Generation zurück zu Zara, Skye (inkl. einiger ihrer Liebschaften = die bis dato unbekannten Väter der Brüder) und eben Toby. Es folgen Stalker, Mordanschläge, Maulwürfe in den eigenen Reihen, deplatzierte Rinderherzen und Entführungen. Langsam klären sich weitere Hintergründe um das Verschwinden von Toby auf. Auch Averys Mutter hatte noch das ein oder andere Geheimnis auf Lager. Am Ende kommt es dann zum dramatischen Wiedersehen mit Averys eigentlichen Vater. Oder eben doch nicht, weil Toby dann doch nicht ihr Vater ist. Mei o mei. Aber zumindest lebt Avery am Ende noch und ist vermeintlich sicher.

Was bleibt in Erinnerung
- Die Konfrontation von Mrs. Laughlin: Absolute Stern-Szene in dem Buch. Das Unbehagen einer Mutter, die keine alten Wunden mehr aufreißen will. Dagegen die schonungslose Konfrontation durch Avery auf der anderen Seite. Ich wäre vermutlich irgendwann eingelenkt. Aber gut, dass sie es nicht getan hat. Dann das langsame Brökeln der Fassade. Das war intensiv… und gut. Aber was macht bitte ihr Mann? Mehrfach den Trakt zu Tobys Flügel zumauern. Das hätte ich als Hausherrin nicht mit mir machen lassen.
- Xander: Leider hatte er nicht viel „Airtime“ – trotzdem mag ich seine verschrobene Art. Ganz am Schluss fand ich es umso schöner, dass Avery ihn als bewusst ersten mit den neuesten Infos ins Boot holt und er mit Max‘ Geburtstagsgeschenk nochmal glänzen konnte. In ihr hat er scheinbar ja auch eine Seelenverwandte gefunden. Bandelt jetzt eigentlich Averys gesamter Freundeskreis mit den Brüdern an? Egal: Ich hoffe auf mehr im dritten Teil.
- Blakes Gedicht: Eigentlich recht simpel, aber ich mochte die Botschaft… „Ich war wütend auf meinen Freund – ich sprach es aus, da schwand der Zorn. Ich war wütend auf meinen Feind – ich sprach kein Wort, da wuchs der Zorn“
- Averys Love-Triangle: Beim ersten Teil hatte ich mich schon beschwert, dass sie gefühlt mit jedem Bruder anbandelt und dem „magnetischen Charme der Brüder“ erliegt. Auch im zweiten Teil wird die Liebelei mit Gray und Jameson weiter verfolgt. Aber: Sie grenzt für mich nachvollziehbar ab, warum es bei Jameson (einvernehmlich) zunächst nicht ernst gemeint ist. Und vor allem trifft sie am Ende dann eine bewusste Entscheidung. „Sie spielt nicht mehr“.
- Effektiver Altruismus: Fand den Begriff einfach cool. Wusste bis dato nicht, dass das eine philosophische Denkrichtung ist.
- Paar zu viele Wendungen/Charaktere: Die Väter der Brüder, Orens Techtelmechtel, die Rooneys… schön, dass alle Charaktere gewürdigt werden und Tiefe bekommen haben. Hat mich zwischenzeitlich aber ein wenig ermüdet. Das mit Eve am Ende war mir dann eins zu viel. Aber mal schauen, wie sich das im letzten Teil noch ausspielt.
- Rebecca und Thea: Die wirken irgendwie hineingezwängt. War für mich jetzt nicht so nötig, dass die bei so vielen Szenen dabei waren. Xander braucht kein eigenes Team – der ist cool genug.
- Hinweise zufällig immer passend: Was bedeutet den wahren Norden finden? Keine Ahnung. Wir stecken fest. Oh, lass doch mal gucken, was du für tolle Immobilien geerbt hast. Als Ablenkung. Hey da gibt es ja eine, die „True North“ heißt! … das hat sich manchmal etwas unorganisch angefühlt.
Mein Fazit
Insgesamt ein sehr guter zweiter Teil. Es bleibt durchgehend spannend und gleichzeitig entwirren sich die Fäden der Geschichte allmählich. Es gab mir fast ein paar zu viele Wendungen und Entdeckungen, was meinen begrenzten Verstand ganz schön beansprucht hat. Ich kann mir einfach nicht so viele Charaktere merken. Aber das muss ja nicht euer Problem sein. Schön fand ich, dass sich sowohl die Geschichte als auch Avery als Hauptcharakter weiterentwickeln und trotzdem noch Luft für das Finale bleibt. Bei der Rezension zu Saphirblau habe ich mich noch gefragt, was einen guten Mittelteil einer Trilogie ausmacht und ob es reicht, nur den Teaser für den großen Abschluss zu geben. Jennifer Lynn Barnes hat mit The Inheritance Games – Das Spiel geht weiter für mich gezeigt, dass da deutlich mehr drin stecken kann.

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